Kids Return – 1997

Adrien Rozé und Clément Savoye sind beide Jahrgang 1997, und das soll man auch hören. Als Kids Return bedienten sie sich auf ihrem ersten Album vorwiegend bei 70s-Sounds, wollen nun aber einer Ära der musikalischen Neuerungen Tribut zollen, die von zwei Strömungen geprägt war: Britpop und in Frankreich erzeugter, global exportierter Indie Pop. Zugleich soll diese Musik, die im Angesicht großer Veränderungen und eines neuen Jahrtausends entstand, dazu inspirieren, zu entschleunigen und die hektische Welt einfach hektisch sein zu lassen. „1997“ erfindet den eigenen Sound neu.
Das Funkeln des Openers „First Choice“ erinnert beispielsweise an Phoenix und funkelnde Air, aber auch an frühe MGMT. Sympathisches Blubbern und Funkeln, warmherzige Gitarren und ähnlich sympathischer Gesang vermitteln glammigen Charme und zeitlose Harmonien. Die entfremdet das folgende „All Yours Now“ sofort in Richtung Insel, lehnt sich zurück und lässt die Wolken von Cool Britannia an sich vorbeiziehen. „Teenage Dreams“ komplettiert das starke Eröffnungstrio mit einem vergleichsweise wuchtigen Beat, der sich jedoch von House-Welten fernhält, aber so etwas wie Dance-Pop mit verträumter Schummrigkeit vermischt.
Und das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – nur der Anfang: „Welcome To My Life“ packt eine herrlich sonnige Gitarre aus und setzt auf gute Laune im XXL-Format. Der sommerliche Track mag es locker und unbeschwert, lässt das Leben vorbeiziehen und Sasha Frantz für schräge Synergien sorgen. Die gibt es in „Who Knows?“ ebenso, bloß komplett anders. Abermals elektronisch beeinflusst und angetrieben, sorgt der zeitlose und luftige Pop-Song mit zwingender Synthie und einem Herz für Soundtrack-artige Melodien für Wow-Momente, denen „The Seattle Boat“ mit Understatement begegnet. Reduziert und doch zielstrebig geht es dem Regenbogen entgegen.
Kids Return trauen sich etwas, und der Erfolg gibt ihnen Recht. Zwar kehrt das Duo dem Sound des Einstands keinesfalls gänzlich den Rücken, doch bekommt ihnen diese Neuausrichtung recht gut. Hier kommen die späten 90er und frühen 2000er prima durch, ohne wie ein Abklatsch zu wirken. „1997“ empfindet eben jene Klänge nach und verleiht ihnen die ureigene Handschrift von Rozé und Savoye, herrlich bunt und vielschichtig, im richtigen Moment zurückgelehnt und tiefenentspannt, zudem voller grandioser Melodien. Die beiden Franzosen legen ein von vorne bis hinten starkes zweites Album vor, das nicht nur im verbleibenden Frühjahr und kommenden Sommer rauf und runterlaufen sollte.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 04.04.2025
Erhältlich über: Ekleroshock / Hamburger Records
Facebook: www.facebook.com/kidsreturnmusic