FYUS – heal

FYUS
(c) Julia Strücker

„FYUS sind immer auf der Suche nach dem Funken Hoffnung in der Beschissenheit der Dinge.“ – dieses wundervolle Zitat eröffnet den Begleittext zum zweiten Album des Aachener Trios. Eigentlich gibt es FYUS bereits seit 2008, eine erste Platte landete aber erst 14 Jahre später, in Eigenregie. Das wurde fleißig betourt, in weiterer Folge griff Barhill Records zu. Dort erscheint mit „heal“ nun ein Werk, das sich dem katastrophalen Zustand der Gesellschaft und der Welt an sich bewusst ist, all dem jedoch die Stirn bietet und sich offensiv mit schwierigen, unschönen Dingen auseinandersetzt. Bis zumindest der besagte Funke Hoffnung ans Tageslicht tritt.

An zweiter Stelle schlägt „Rottweiler“ bekömmlich um sich und findet den Mittelweg aus Indie und Punk, auf den sich FYUS spezialisieren. Ordentlich Druck mit Uptempo-Note, Mut zur leicht schrägen Präsentation, im richtigen Moment das Umschalten auf Hymne – es kann manchmal tatsächlich so einfach sein. Das versucht auch „Stall Tendency“, nähert sich dem Unterfangen jedoch von einer angenehm anderen Seite – nachdenklich, melancholisch und leicht schwerfällig. Und doch packt das Trio auch hier wieder am Höhepunkt kantige, ungeschliffene Hooks aus, die unterhalten. Hier wird einfach frontal gesägt, umarmt und dabei mit Existenzängsten gerungen.

In „Cold Sheets And Sleepless Nights“ nimmt das sogar nahezu Post-Hardcore-Auswüchse an, bloß einen gefühlten Wimpernschlag vom kompletten Chaos entfernt und doch eingängig. Der Feinsinn von „Collapsing Dream“ würde in anderen Händen still und überschaubar anmuten, doch machen FYUS daraus einen launig brodelnden Song, der spät und doch deutlich abhebt. Im stolpernden „The Dance (de lxs que sobran)“ überschlagen sich die Ereignisse, mit Zweitstimme und etwas Turbostaat-Charme. Den kennt auch „J I N A“ mit seiner plötzlichen Explosivität und der Suche nach dem großen Dampfhammer, den „All Hail The Machine“ schließlich auf seine Mini-Hymne loslässt.

Knapp 40 hochgradig befremdliche Minuten dauert dieser Zweitling, der mit wachsender Begeisterung verwirrt, verstört und becirct. FYUS tragen einen Überschuss spontaner Energie in sich, der nur schwerlich in geregelte Bahnen gedrängt wird, bevor die Stimmung unmittelbar kippt. Das passt freilich zum starken thematischen Tobak, der Niedergeschlagenheit und komplette Ermattung mit dem versuchten Ausbruch aus dem Status Quo verbindet. „heal“ schrammelt, brummt, bockt und geht doch unter die Haut, ins Ohr, ins Herz. Die Widersprüchlichkeit inmitten der Beschissenheit trägt FYUS in begeisternde Höhen und macht sie zu einer Band, auf die man definitiv achten muss.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 28.03.2025
Erhältlich über: Barhill Records (Cargo Records)

Website: fyus.de
Facebook: www.facebook.com/FYUS.official