Benny Sings – Young Hearts

Seit Jahren macht Benny Sings fantastische Musik, schreibt und produziert zudem für allerlei andere Künstler. Der ganz große Solowurf ist dem Niederländer bislang allerdings verwährt geblieben, wiewohl sein Sound – Alternative Pop mit dezenten RnB-Untertönen und unterschwelligen Jangle-Vibes – dafür eigentlich prädestiniert wäre. Also holte er sich erstmals einen Produzenten an Bord in Form von Kenny Beats, der zuletzt für seine Arbeit mit Idles eine Grammy-Nominierung einfuhr. Wenig überraschend kann sich das Ergebnis, „Young Hearts“, mehr als hören lassen.
Der eröffnende Titelsong lebt von federnder Leichtigkeit, die vertraut Poppiges mit dezenten Disco-Anleihen kreuzt – tanzbar, unaufdringlich und ultra-eingängig zugleich. Gesanglich geht es ab und an sogar in höhere Register, was wunderbar funktioniert. Das folgende „The Only One“ ist charmant, plüschig, bereitet große Freude. Putziger Indie Pop entkommt der kompletten Verniedlichung und wirkt dabei smooth. Das sollte eigentlich ein Widerspruch in sich sein, wird jedoch in Wohlgefallen aufgelöst. Der unwiderstehliche, vergleichsweise forsche Beat hilft selbstverständlich.
Ohrwürmer und Mini-Hits gibt es einmal mehr am laufenden Band. Die 80s-Energie von „The World“ trägt in Soft-Rock-Gefilde. Ja, der Refrain ist fast schon cheesy, was aber absolut in Ordnung geht und den Protagonisten sogar noch etwas charmanter erscheinen lässt. Im reduzierten „Moviestar“ beschränkt sich Benny Sings ausnahmsweise auf das Wesentliche, reduziert die Anzahl an Spuren und punktet mit einem locker-flockigen Rhythmus. Auch „Take Your Time“ bemüht Lässigkeit, hoppelt lässig voran, trägt ein fettes Lächeln auf den Lippen.
Zwar fällt diese neue Platte mit gerade einmal 27 Minuten etwas sehr kurz aus, dafür gibt es kein Füllmaterial zu verzeichnen. „Young Hearts“ wirkt tatsächlich eine Spur konzentrierter, den Blick stets auf das Wesentliche gerichtet, eingängig wie Sau und doch angenehm anspruchsvoll. Die bereits vertraute Benny-Sings-Formel erhält somit ein kleines, aber mit Sicherheit feines Upgrade, schön auf den Punkt und doch wunderbar organisch. Der herrlich unaufdringliche Alternative-Pop-Ansatz des Niederländers harmoniert prima mit dem Input von Kenny Beats – eine Zusammenarbeit, die Erfolg verspricht, von der es liebend gerne eine Fortsetzung geben darf.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 24.03.2023
Erhältlich über: Stones Throw Records / PIAS (Rough Trade)
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