Babymetal – Metal Galaxy

Was vor einigen Jahren – zumindest außerhalb Japans – als kultiges YouTube-Phänomen begann, ist mittlerweile zum metallischen Crossover-Fixstern gereift. Viel muss man über Babymetal nicht sagen, die Mischung aus J-Pop und verschiedensten Metal-Spielarten nach dem Idol-Prinzip ist weithin bekannt, konnte weltweit Erfolge feiern und eroberte auch die deutschen Charts. Yuimetal verabschiedete sich im vergangenen Jahr, man ist sich weiterhin freundschaftlich verbunden. Live wird das verbliebene Duo seither von rotierenden Tänzerinnen, den Avengers, unterstützt. Auf dem neuen Album „Metal Galaxy“ setzt es hingegen vertraute Kost und prominente Gäste.
Selbstverständlich ist der Begriff ‚Prominenz‘ im Verhältnis zu sehen, denn gerade einem breiten Publikum dürften die meisten Namen nichts sagen. Tak Matsumoto ist Gitarrist von B’z, die bestverkaufende japanische Band überhaupt. In „DA DA DANCE“, das stellenweise an „Iine!“ vom Debütalbum erinnert, steuert er filigrane Saitenhexerei zum überaus wilden, leicht trancigen Tanzflächen-Füller bei. Joakim Brodén von Sabaton wird hingegen zum Piraten. „Oh! MAJINAI“ duftet nach Rum und Alestorm, ein wunderbares Abdriften aus der Komfortzone für alle Beteiligten. Von Arch Enemy-Frontfrau Alissa White-Gluz ist in „Distortion“ hingegen recht wenig zu hören. Der wütende Frontalangriff mit unwiderstehlichem Pop-Appeal weiß auch so zu überzeugen.
Hinsichtlich Songwriting und Vielfalt toben sich Babymetal samt Band so und so mit wachsender Begeisterung aus. Die wunderbare Schlusshymne „Arkadia“ wirkt vertraut, wildert in klassischen Metal-Gefilden und spielt mit Kitsch. Fiese Drumsalven und bissige Hooks brennen sich sofort ein. „Shanti Shanti Shanti“ flirtet mit folkloristischen Elementen und straightem Uptempo-Beat – fast schon radiofreundlich, wären da nicht die schroffen Gitarren. In „PA PA YA!!“ wird zwischendurch sogar gerappt. F.HEROs Part verleiht dem Track dezentes Nu-Metal-Flair, Skindred lassen grüßen. „Elevator Girl“ rattert hingegen mit furiosem Thrash-Charme durch die Boxen, während das brachiale „IN THE NAME OF“ nicht ganz so leise Erinnerungen an „BABYMETAL DEATH“ weckt.
Tatsächlich hat „Metal Galaxy“ einiges an vertraut anmutender Kost zu bieten, was nicht im Geringsten stört. Kleinere Querverweise zu früheren Platten werden wohlwollend wahrgenommen, zumal jeder Track auf seine Weise einschlägt. Die kitschige Hymne, der Genre-Bender, die elektronische Partyschraube – so klingt eben die Metal-Vision der Idol-Band. Babymetal verbinden Vertrautes mit neuen Elementen und liefern Nachschub für die spektakulären Bühnenshows. Dass sich fast jeder Moment dieser gut 50 Minuten auf gewisse (beste!) Weise einbrennt, spricht für das über weite Strecken packende Songwriting. Diese Beständigkeit auf hohem Niveau wird langsam unheimlich.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.10.2019
Erhältlich über: earMUSIC (Edel)
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