Muddy Waters & The Rolling Stones – Checkerboard Lounge: Live Chicago 1981

Muddy Waters & The Rolling Stones

Vor 29 Jahren starb Muddy Waters, der Vater des modernen Chicago Blues, viel zu früh im Alter von 68 Jahren. „The blues had a baby and they named it rock and roll“, sang er einst. Kaum eine Band hat diese Verbindung von Blues und Rock in den letzten Jahrzehnten so perfekt zelebriert wie The Rolling Stones, die ihren Namen wiederum dem Waters-Song „Rollin‘ Stone“ verdanken. Als die Briten am 22. November 1981 nach Chicago kamen, um dort drei Nächte hintereinander im Rosemont Horizon zu spielen, besuchten sie die Checkerboard Lounge, Buddy Guys kleinen Blues-Club in der South Side, um Muddy und Band live zu sehen. Natürlich hielt es die Stones nicht lange im Publikum, wie der nun endlich auf DVD erscheinende Mitschnitt „Checkerboard Lounge: Live Chicago 1981“ zeigt.

Dabei beginnt die Show relativ ruhig und unspektakulär. Waters‘ Band spielt „Sweet Little Angel und „Flip Flop And Fly“ (Piano-Spieler Lovie Lee übernimmt den Gesang), bevor der Chef höchstpersönlich auf die Bühne gebeten wird und sich sofort in bewegenden Darbietungen von „You Don’t Have To Go“ und „Country Boy“ verliert. Während „Baby Please Don’t Go“ tut sich etwas vor der Bühne. Die Stones betreten die Lounge, setzen sich an ihre Tische, begleitet von Waters‘ amüsierten Augen. Lange wartet er nicht und bittet mehrfach Mick Jagger auf die Bühne, der sich erst überreden lassen muss. Schnell folgen Keith Richards und Ron Wood, während der Saal überkocht. Das Publikum schüttelt die Köpfe, beeindruckt und leicht verwirrt, während „Hoochie Coochie Man“ eine monströse Jam-Session ins Rollen bringt.

Zu „Mannish Boy“ wird die Bühne richtig voll. Kaum haben sich Jagger und Waters in einen wahren Rausch gesungen, betreten nach und nach Buddy Guy, Junior Wells (jener Mann, der einem jungen Stones-Frontmann ein paar Tricks auf der Harmonica zeigte) und Lefty Dizz die Bühne. Nun gibt es kein Halten mehr: Jaggers und Waters setzen sich ins Publikum, um das Treiben zu beobachten. Wells packt seine Mundharmonika aus, Lefty Dizz gibt den Bandleader und holt aus seiner Gitarre die Quintessenz des Blues heraus, bevor sich zum abschließenden „Champagne And Reefer“ ein letztes Mal die Bühne fühlt. Abgesehen von Buddy Guy stehen nun alle auf den viel zu kleinen Brettern, Ellbogenfreiheit ist ein Fremdwort, die Seele eines Genres und seines rockenden Ziehsohns peitschen sich gegenseitig hoch.

Inmitten des Chaos stehen ein grinsender Muddy Waters und ein ekstatischer, kindlich wirkender Mick Jagger, der sein Glück kaum fassen kann; ebenso wenig das immer noch perplexe Publikum. Was in diesen 90 Minuten geschieht, ist magisch. Waters für sich ist bereits ein Erlebnis, doch diese spontane Jam-Session mit den Stones, die zu einem Allstar-Gig mit einer Reise quer durch die Geschichte des Blues wird (einzig „Rollin‘ Stone“ fehlt, wäre aber wohl zu offensichtlich gewesen) zelebriert. Sorgsam restauriert und von Bob Clearmountain gemischt und gemastert, strahlt „Checkerboard Lounge: Live Chicago 1981“ in neuem Licht, ist ein absolutes Must-Have für Blues-Fans. Auch 30 Jahre später wirkt die Magie dieser historischen Nacht noch nach.

VÖ: 06.07.2012
Eagle Vision (Edel Music Distribution)

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