Ulrika Spacek

Ulrika Spacek – EXPO

Die Perspektive verschiebt sich, der Spiegel reflektiert anders. Auf ihren ersten drei Alben waren Ulrika Spacek bevorzugt introvertiert unterwegs, richteten den Blick auf das Selbst und bezogen daraus Kraft für ihre kunstvolle, elektronisch befeuerte Gitarrenmsuik. Das Quintett aus Reading wählt dieses Mal jedoch die Außenperspektive – weil andere Länder auf Tour Eindruck hinterließen, aufgrund von Gedanken und Gefühlen über die USA, aber auch weil sich Sänger und Gitarrist Rhys Edwards fragte, welche Welt seine Tochter einmal erben würde. „EXPO“ versteht sich zudem als intime Auseinandersetzung mit menschlicher Wärme, digitaler Isolation und zunehmend verschwindenden Zwischentönen.

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Katarsis

Katarsis – Žiedlapis tau

Inmitten eines betont bunten Wettbewerbs trugen sie Grauschattierungen ins Finale: Katarsis traten für Litauen beim Eurovision Song Contest 2025 mit dem Post-Punk-Track „Tavo akys“ an. Auf einen sehr respektablen 16. Platz für eine beim ESC mehr als unterrepräsentierte Musikrichtung folgten eine kleine Tour durch Europa sowie mehrere Singles. Für das ehemalige Ein-Mann-Projekt von Lukas Radzevičius, der im Gründungsjahr 2019 noch zur Schule ging, ist das mehr als beeindruckend. Das erste Album „Žiedlapis tau“ (dt. „Ein Blütenblatt für dich“) nimmt den Rückenwind gekonnt mit.

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The Blue Van

The Blue Van – Recording Club Of 1996

Seit bald drei Jahrzehnten sind sie der Inbegriff von Beständigkeit: Hinter The Blue Van stecken vier Freunde, die sich seit ihrer Kindheit kennen und gemeinsam Musik machen. Ihre Songs liefen in Werbespots, Fernsehserien und Videospielen, sie tourten durch die ganze Welt und verstanden es zuletzt auch, etwas kleinere Brötchen zu backen. „Recording Club Of 1996“, eine Reminiszenz an die Anfangstage, ist das erste Album seit fünf Jahren und verbindet Kommentare zum Hier und Jetzt mit intimen, persönlichen Geschichten und einem noch breiter gesteckten Sound, der mehr denn je ins Ohr geht.

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Lukas Oscar

Lukas Oscar – Everything’s Built To Last

Mit gerade einmal 23 Jahren hat Lukas Oscar gefühlt bereits mehrere Musikerleben hinter sich. 2016 gewann er The Voice Kids, vier Jahre später schrieb er am bulgarischen Beitrag für den abgesagten Eurovision Song Contest, bevor 2022 die Solokarriere mit der ersten EP „Colors Of A Void“ langsam Fahrt aufnahm. Seither erschienen ein Album, zwei weitere EPs und diverse Songs, zudem supportete in Wien wohnende Fürstenfelder mit philippinischen Wurzeln so unterschiedliche Künstler wie Mark Forster, Khruangbin und L’Impératrice. Mit „Everything’s Built To Last“, seinem neuen Album, kündigt Oscar einen deutlich mutigeren, vielschichtigeren Pop-Ansatz an, der Normen hinterfragt, gerade mit unterstützendem Blick auf die LGBTQIA+ Community, und den Lärm im Kopf zur Ordnung ruft.

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Reverend Stomp

Reverend Stomp – Mescalero Ranger

Vier Herren aus Wien, die Wurzeln in Übersee am Chiemsee, der Sound sumpfig und surfend. Reverend Stomp nennen ihre Musik ‚Swamp Surf‘ und haben damit ein neues Genre erfunden. Blues, Surf, Garage, Alternative und ein wenig Americana stecken unter anderem im wilden, bekömmlichen Mix des Quartetts um Charakterstimme Christoph Mooser, der für zusätzliche Würze sorgt. Live im Studio eingespielt, klingt das zweite Album „Mescalero Ranger“ wie der Soundtrack zu einer Fahrt durch den wüsten Süden Amerikas und ist dabei stets auf hochspannende Weise sein ganz eigenes Ding.

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Sébastien Tellier

Sébastien Tellier – Kiss The Beast

Seit Jahren und Jahrzehnten schreibt und produziert Sébastien Tellier. Er trat 2008 für Frankreich beim Song Contest an, war 2024 Teil der Paralympics-Eröffnungszeremonie in Paris, in Soundtracks zu hören und schrieb selbige in Hülle und Fülle. Obwohl er zuletzt alles andere als untätig war, ist das letzte Album „Domesticated“ doch schon wieder fünfeinhalb Jahre her. Die Trademarks blieben erhalten – Bart, lange Haare, Sonnenbrille – die Musik erfuhr eine kleine Metamorphose. „Kiss The Beast“ stellt sich noch eine Spur breiter auf und erweitert vertraute Synth- und Electro-Klänge in verschiedenste Richtungen.

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Joyce Manor

Joyce Manor – I Used To Go To This Bar

Als es nach mehrjähriger Pause endlich wieder auf Tour ging, waren Joyce Manor sofort in ihrem Element. Mit „40 oz. To Fresno“ im Gepäck, ging es in noch größere Venues sowie unter anderem in den Support für Weezer. Die Arbeiten an einem Nachfolger begannen bereits Anfang 2023, sollten sich jedoch ziehen. Gleich mit dem ersten fertigen Demo konnten sie jedoch kein Geringeren als Bad Religion-Legende Brett Gurewitz – ihren Label-Boss – als Produzenten verpflichten. Für das Trio aus Kalifornien erfüllte sich damit ein Traum. Und das hört man dem neuen Longplayer „I Used To Go To This Bar“ selbstverständlich ab der ersten Sekunde an.

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GUV

GUV – Warmer Than Gold

Erst war er Young Governor, dann Young Guv, jetzt nur noch GUV: Ben Cook verkürzt seinen Namen ein weiteres Mal, bleibt seinem Faible für feine, unwiderstehliche Popsongs mit Ecken und Kanten jedoch treu. Dieses Mal begegnet er den großen Fragen und Themen des Lebens mit ebenso großen Beats und Hooks. Mehr Britpop, mehr Madchester und mehr Psychedelia halten Einzug in den Sound, abermals mit Dauer-Songwriting-Partner James Matthew Seven (No Warning) erarbeitet. Zwar hatte man bei den gemeinsamen Sessions in Portugal am Ende mehr Spaß als fertige Songs, doch war das Fundament für die verfeinerte Ausrichtung von „Warmer Than Gold“ gelegt.

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Sweatmaster

Sweatmaster – More!

2011 hatten Sweatmaster genug. Nach vier mächtigen Alben verabschiedeten sich die finnischen Garage-Rock-Meister erst einmal, hatten genug von ihrem verschwitzten Sound. Später folgte noch ein kleiner Neustart als Little Boots mit mehr Hard Rock, der sich ebenfalls verlief. Vor ein paar Jahren gab es dann doch wieder erste Konzerte, dann entstanden erste Songs, und nun steht tatsächlich das erste Album seit über 15 Jahren in den Startlöchern. „More!“ klingt letztlich, als hätte es diese Auszeit nie gegeben, und das entpuppt sich als verdammt fantastische Angelegenheit.

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Lucinda Williams

Lucinda Williams – World’s Gone Wrong

Um klare Worte war Lucinda Williams nie verlegen, und die braucht es aktuell mehr denn je. Die mehrfache Grammy-Gewinnerin hat nach diversen Cover- und Jukebox-Platten wieder komplett neues Material im Gepäck und bezieht Stellung als Stimme in einer Welt, die am Abgrund steht, in ihrer Heimat diesen vielleicht bereits längst hinabstürzt. Im vergangenen Frühjahr aufgenommen, trägt „World’s Gone Wrong“ die Kampfansage bereits im Titel und versucht sich als deutlicher Schlachtruf, ohne jedoch die schönen Seiten, die Lichtblicke des Alltags zu ignorieren.

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