Doodseskader

Doodseskader – The Change Is Me

Wenn das zweite Album tatsächlich das schwerste sein soll, was denken Doodseskader wohl über ihre dritte Platte? Relativ wenig, denn nach „Year One“ und „Year Two“ verwarfen Tim De Gieter und Sigfried Burroughs das bereits fix und fertige „Year Three“. Diverse Gigs während dem Mixing-Prozess zeigten dem Duo aus dem belgischen Gent, dass sie inzwischen zu anderen Menschen geworden waren. Anstatt sich abermals auf kontinuierliche Selbstverbesserung zu konzentrieren, dokumentierte man ausnahmsweise den Status Quo und bemühte sich um die Akzeptanz eigener Fehler und Stärken. „The Change Is Me“ soll eine positivere Ära einläuten.

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Akem Manah

Akem Manah – Threnodies

Vierzehn Jahre Funkstille – das ist selbst für eine dem schleppenden Sound zugewandte Doom Metal-Band eine lange Zeit. Doch tatsächlich ließen Akem Manah, eine Formation aus dem flämischen Teil Belgiens (die nicht zu verwechseln sind mit der US-amerikanischen Band gleichen Namens) so lange Zeit, um sich nun endlich mit ihrem neuen Album „Threnodies“ zurückzumelden. Das Quartett, das sich nach dem zoroastrischen Dämon des „bösen Denkens“ benannt hat, konnte mit seinem Debütalbum „The Testament Of Sealant Mound“ 2010 für einige Aufmerksamkeit sorgen, doch danach gab es bis auf eine EP wenig zu hören. Die Rückkehr der Band stellt sich auch deswegen als unglaublich spannend heraus, da „Threnodies“ mehr ist als nur ein Album – es ist ein zehnteiliger Zyklus menschlichen Zerfalls, der den Hörer direkt in die Leere führt.

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Philine Sonny

Philine Sonny – Virgin Lake

Ein Kraftakt mit viel Herz und Offenheit begleitet Philine Sonny nach zwei EPs zum ersten kompletten Album. Sie lässt das eigene Schlafzimmer hinter sich und holt sich erstmals weitere befreundete Musiker:innen ins Boot, um den Sound auszubauen. Geworden ist es ein Werk in vier Akten, teils inspiriert von Benedict Wells‘ Coming-of-Age-Roman ‚Hard Land‘, der das wütende, sehnsüchtige Kind erst mit Selbstmitleid konfrontiert, später Freude entdecken lässt und schließlich beide Welten miteinander verbindet. „Virgin Lake“ kehrt das Innerste nach außen und setzt die Suche nach Verständnis, Balance und Selbstentwicklung konsequent fort.

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deary

deary – Birding

Zu Lockdown-Zeiten regte sich bei Ben Easton der Wunsch, der eher auf Style fokussierten Szene Südost-Londons zu entkommen und introspektive, emotional aufgeladene Musik zu schreiben. Ein gemeinsamer Bekannter brachte ihn mit Dottie Cockram zusammen, schnell wurde eine gemeinsame Liebe zu Cocteau Twins, Slowdive und My Blood Valentine entdeckt. Später stieß Drummer Harry Catchpole dazu, deary waren gegründet und bewegen sich seither in einem sehr eigenen, zeitlosen Sound zwischen Shoegaze, Dream-Pop und Indie. Das erste Album „Birding“ befasst sich mit den mal unsichtbaren, mal sehr deutlichen Auswirkungen des menschlichen Handels auf andere Menschen und die Umwelt.

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Robyn

Robyn – Sexistential

In einer Zeit grober Einschnitte und persönliche Veränderungen kann die Rückkehr zu Vertrautem Wunder wirken. Nach dem etwas clubbigeren „Honey“ ging es für Robyn erst in eine kleine private Pause, die letztlich zur Neuausrichtung führte. Ihren im Sommer 2023 geborenen Sohn zieht sie alleine groß, zudem beschäftigten sie Themen wie Identität, Intimität, Sexualität, Unabhängigkeit und Nähe intensiv. Die Arbeiten am mittlerweile neunten Studioalbum begannen bereits 2020, als die Welt die Grenzen dichtmachen musste, was zur Zusammenarbeit mit schwedischen Weggefährten fühte. Und doch klingt „Sexistential“, die Rückkehr zu typischen Popsongs, alles andere als gewöhnlich.

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Courtney Barnett

Courtney Barnett – Creature Of Habit

Nomen trifft Omen: „Things Take Time, Take Time“ hätte kaum besser als Titel für das bis jetzt letzte Album von Courtney Barnett gewählt werden können. Das ist mittlerweile fast viereinhalb Jahre her, in denen es für die Australierin allerdings nicht umbedingt ruhig gewesen war. Unter anderem sperrte sie ihr eigenes Label Milk! Records zu (zum Abschluss erschien noch ein rein instrumentaler Doku-Soundtrack) und zog nach Los Angeles. Diese Veränderungen spielen selbstverständlich auch auf ihrem inzwischen vierten regulären Soloalbum eine nicht zu verachtende Rolle. „Creature Of Habit“ handelt davon, sich selbst nicht mehr im Weg zu stehen, um das eigene Leben auch tatsächlich leben und mit allen Sinnen erfassen zu können.

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The Twilight Sad

The Twilight Sad – It’s The Long Goodbye

Das erste Album seit über sieben Jahren und eine Band, die auf das Kern-Songwriting-Duo – Sänger James Alexander Graham und Gitarrist Andy MacFarlane – geschrumpft ist: Der Hintergrund für die lange Wartezeit und Veränderungen bei The Twilight Sad sind tragischer Natur. Als die Schotten 2016 von einer Support-Tour für The Cure hingekehrt waren, wurde Grahams Mutter mit früh einsetzender frontotemporaler Demenz diagnostiziert, die fortan das Band- und Privatleben mehr als entscheidend mitbestimmte. Eine weitere Tour mit The Cure sieben Jahre später wurde abgebrochen, wenig später verstarb Grahams Mutter. Der Großteil von „It’s The Long Goodbye“ entstand während dieser Zeit.

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Myrath

Myrath – Wilderness Of Mirrors

Vielerorts werden Myrath immer noch dem Progressive Metal zugeordnet – selbst Wikipedia beharrt hartnäckig auf diesem Eintrag. Dabei hat das tunesisch-französische Quintett spätestens mit „Shehili“ den Kurs endgültig Richtung Symphonic Power Metal korrigiert, ohne jedoch ihren ungemein spannenden orientalischen Einschlag zu verlieren. Genau diese Wurzeln waren es, die den Sound der Band stets so besonders machten. Auf dem 2024 erschienenen Vorgänger „Karma“ wurde dieser Ethno-Fokus jedoch zugunsten einer klareren Power-Metal-Kante zurückgefahren, was in der Fanszene für Diskussionsstoff sorgte. Das dieser Tage erscheinende Album „Wilderness Of Mirrors“ steht dementsprechend unter besonderer Beobachtung: Es wird verdeutlichen, in welche Richtung sich Myrath musikalisch entwickeln.

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José González

José González – Against The Dying Of The Light

Ist die Zukunft künstlich oder echt? Welche Rolle spielt ehrliche Kunst in Zeiten zunehmenden KI-Einsatzes, der kreative Einstiegshürden senkt und doch nie auch nur annähernd Individualität schafft? Diese und ähnliche Fragen stellt sich José González auf seinem ersten Album seit Herbst 2021. Die Rolle von Künstlicher Intelligenz sieht er zwiespältig, wenngleich verantwortungsbewusster Einsatz womöglich nicht verkehrt sein mag. Wie kann das aussehen? Wie groß ist die Bedrohung wirklich? Und wie geht ein Familienmensch mit immer düster werdenden Zeiten um? All das und noch viel mehr beantwortet „Against The Dying Of The Light“ hochgradig eindrücklich.

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The Clockworks

The Clockworks – The Entertainment

Gleich mit ihrem ersten Album gelang The Clockworks ein absoluter Volltreffer: Auf „Exit Strategy“ brachte das in Irland gegründete und heute in London ansässige Quartett gebündelte Indie- und Alternative-Klasse zusammen. Und das in kompletter Eigenregie, denn das bandeigene Label war die perfekte Bühne, um diese Hit-Platte auf das Publikum loszulassen. Der Nachfolger wurde vor allem in den eigenen vier Wänden geschrieben und aufgenommen, holt sich neue musikalische Einflüsse hinzu und befasst sich zudem mit Themen wie Isolation, Einsamkeit und Verbindungen. Vom schweren zweiten Album hält „The Entertainment“ herzlich wenig.

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